Pfingsten als Beispiel für Coaching ist sicher keine gängige Herangehensweise. Aber die Geschichte handelt von Sprache, von Verstehen und davon, über den eigenen Schatten zu springen.

Sprache, Staat und Multikulti

Die Sprachenvielfalt im Alten Römischen Reich vor circa 2000 Jahren war gewaltig, das Imperium riesig, die Völker bunt gemischt, die Kulturen überschnitten und beeinflussten sich gegenseitig. Kurz: es gab Multikulti auf allen Ebenen täglich zu spüren und zu erleben.

Das ging damals genauso wenig wie heute ohne Reibungen vonstatten, das einigende Band aus zentral gesteuerter Verwaltung, militärischer Präsenz in allen Teilen des Reiches und einheitlicher Amtssprache, nämlich Latein, wurde arg strapaziert.

Sprache kann man regeln, Verständnis nicht

Letztlich konnte es auch nur die oberflächlichen Fragen des Lebens kontrollieren und regeln und bildete den Rahmen, innerhalb dessen sich die Menschen zu bewegen hatten. Was sie wirklich bewegte, ihre persönlichen Beziehungen untereinander, das gegenseitige Verständnis zwischen Menschen unterschiedlichster Herkunft, Tradition, Kultur und Religion, entzog sich genau wie heute den staatlichen Kontrollmechanismen. Diese Dinge finden auf einer anderen Ebene statt.

Sprachlosigkeit vor dem Pfingstereignis, Geistesgegenwart danach

In diesem Konglomerat verschiedenster Strömungen ereignete sich der Überlieferung nach eine Geschichte, die uns als das Pfingstereignis bekannt ist, nachzulesen in der Apostelgeschichte (das fünfte Buch im Neuen Testament). Die durch die Ermordung ihres Lehrers und Anführers verschreckten und verängstigten Freunde und Anhänger des Mannes aus Nazareth, der uns als Jesus bekannt ist, versteckten sich irgendwo in Jerusalem. Sie trafen sich insgeheim noch und fragten sich, wie es nun weitergehen sollte, mit ihnen, mit ihrer Gruppe, wie sie sich überhaupt wieder unter die anderen Menschen wagen könnten, was sie denn sagen sollten, oder ob nicht jeder einfach seiner Wege gehen und untertauchen sollte. Schwamm drüber, alles verleugnen und vergessen, nur nicht als „einer von denen“ erkannt werden.

Was aber dann passiert ist sehr bemerkenswert. Diese völlig auf sich und ihre eigenen Sorgen und Befürchtungen konzentrierte Gruppe von Menschen erfährt plötzlich eine durchgreifende Veränderung. Eine „zündende Idee“ bricht sich Bahn und bringt frischen Wind in die Gedanken. Die kollektive Schwäche, „einer von denen“ zu sein, wird zur einigenden Ressource.

Starke Bilder begleiten Pfingsten

Beschrieben wird dieser Sinneswandel in Metaphern. Ein gewaltiges Rauschen geht durch das Gebäude und die dort versammelten Menschen erleben die sprichwörtlichen Geistesblitze, die sie befähigen, anders miteinander und mit anderen zu sprechen. Das ist das Entscheidende: sie sind plötzlich in der Lage, so mit Menschen zu reden und ihre Sprache so einzusetzen, dass gegenseitiges Verstehen tatsächlich möglich wird, egal welcher Herkunft jemand ist. Das ist derart unerhört, dass manch einer sie für betrunken hält.

„Nur wer für etwas brennt, kann in anderen ein Feuer entzünden.“ Viele starke Bilder finden sich in der Pfingstgeschichte, derer wir uns auch heute noch häufig bedienen. Aus der Perspektive eines Coaches hat vor allem diese Idee eine besondere Bedeutung, dass durch einen Impuls von außen sich die Gedankenwelt eines Menschen erheblich verändern kann. Er kann dadurch sogar dazu befähigt werden, sich aus seiner kleinen, einengenden Nabelschau heraus zu bewegen und mit neuer Kraft mutig die Anforderungen des Alltags anzugehen, übrigens zum großen Erstaunen seiner Umgebung, die nun gerade das nicht erwartet hat.

Und besonders schön an dieser wunderbaren Kommunikationsgeschichte ist der Aspekt, dass sich Menschen mit ganz verschiedenem Hintergrund, Kultur, Überzeugungen, Geschichte, Lebensweise und je eigener „Sprache“ tatsächlich verstehen lernen können.

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