Babylon ist überall: „Verstehst Du was die wollen?“ „Ich kapier überhaupt nichts mehr.“ „Irgendwie reden wir aneinander vorbei, glaube ich.“ „Das soll noch einer verstehen!“ „Für mich sind das alles Böhmische Dörfer.“ „Ich glaube, die sprechen eine andere Sprache als ich.“

Wer kennt das nicht? Da sprechen alle Deutsch (oder irgendeine andere offizielle Sprache), aber man versteht sich einfach nicht, schaut sich fragend an, zuckt mit den Schultern, schüttelt den Kopf, macht vielleicht noch eine hilflose Bewegung mit der Hand, und das bezeichnet dann das Ende einer Konversation. Babylon ist eben wirklich überall.

Sprache ist eine Kunst, die alle täglich begleitet

Und wenn es so glimpflich von statten geht kann man sich ja noch glücklich schätzen. Wie häufig mündet solches Missverstehen in Rechthaberei, Machtgerangel, Konflikt und Streit. Das gilt im Kleinen, z.B. im Kontext einer Partnerschaft oder der Familie, über das größere Umfeld in Beruf oder Verein, bis in die kommunalen und globalen Ebenen der Politik. Wobei man dort ja immerhin hofft, dass Kommunikationsprofis am Werk sind. Und trotzdem passiert es auch dort, ständig, wir brauchen bloß den Fernseher anzustellen oder in den neuesten Meldungen zu lesen.

Das Kuriose daran ist dann eine Beobachtung, die wir auch schon alle gemacht haben: man steht als unbeteiligter Mensch quasi daneben und wundert sich, dass die beiden Parteien sich offenbar wirklich nicht verstehen, oder sogar wegen irgendeiner Lappalie in eine Auseinandersetzung verwickeln. Dabei ist doch alles glasklar! Wieso nur gibt es diese Babylonischen Sprachverwirrungen?

Die Stadt Babylon, ihr Turm und die Sprache

Ein kleiner Exkurs nebenbei – die Geschichte vom Turmbau zu Babel ist eine rund 3000 Jahre alte Überlieferung, die sich mit dem Phänomen des Nicht-Verstehens zwischen den Menschen auseinander setzt. In der antiken Metropole Babylon kommt die Idee auf, der eigenen Größe ein adäquates Denkmal zu setzen, und zwar in Gestalt eines riesigen Turmes, der „bis in den Himmel“ reichen soll, mit dem man den Triumph des Menschseins dokumentieren und feiern will. Das Ziel ist klar, man fängt an und baut. Doch dann kommen Unstimmigkeiten auf, genaues erzählt die alte Geschichte nicht, sie berichtet von göttlichem Eingreifen. Jedenfalls verstehen sich die Beteiligten nicht mehr, zerstreuen sich in alle Winde und führen den Bau offenbar auch nicht zu Ende.

Diese Geschichte ist Vorlage für zahlreiche Darstellungen in der bildenden Kunst geworden, zu den besonders bekannten Darstellungen gehört das Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren. Besonders spannend ist aber, dass die Stadt Babylon sich im heutigen Irak befand, mithin am Rand der Arabischen Halbinsel, und das derzeit höchste Gebäude der Welt, der Burj Khalifa, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, nicht allzu weit vom antiken Babylon entfernt. Zufall?

Englisch ist eine Sprache, oder vielleicht doch mehrere?

Die derzeit am weitesten verbreitete Sprache ist Englisch, oder manchmal auch das, was man dafür hält. Englisch ist nämlich nicht überall dasselbe, das haben wahrscheinlich viele von uns auch schon erlebt. Vielleicht im Urlaub in irgendeinem entlegenen Ort. Dann stand im Reiseprospekt etwas davon, die Sprache zur Verständigung sei Englisch. Was man dann aber erlebt hört sich manchmal ganz anders an.

Dabei scheint das jeweilige Gegenüber keine sprachlichen Besonderheiten in seiner Ausdrucksweise zu empfinden, ganz im Gegenteil, und man fragt sich plötzlich, ob man sich vielleicht selber nicht verständlich ausdrückt. Dasselbe kann man auch in international ausgerichteten Firmen beobachten. Jemand, der neu hinzu kommt, braucht erst einmal eine Weile, bis das firmeninterne Englisch ihm oder ihr so geläufig ist, dass er/sie sich auch für die anderen eindeutig und verständlich ausdrücken kann.

Eine Sprache sprechen heißt noch nicht, dass man sich versteht

Babylon? Das hat häufig gar nichts mit mangelnder Sprachkompetenz zu tun. Es sprechen, oberflächlich betrachtet, wirklich alle dieselbe Sprache. Aber eben nur oberflächlich betrachtet. Das heißt, Grammatik, Satzbau, Vokabeln entsprechen den gelernten Regeln, und trotzdem versteht man sich nicht. Es gehört offensichtlich noch mehr zum Verstehen als nur die Mechanik des Sprechens und Hörens gemäß einem bestimmten Raster.

Haben Sie schon einmal versucht, einen einfachen Satz von einer Sprache in eine andere zu übersetzen? Oder einfach nur einem Kind in ihrer eigenen Muttersprache etwas so zu erklären , dass es den Inhalt versteht? War das auch babylonisch? Haben Sie dabei vielleicht bemerkt, dass jedes Übersetzen immer auch eine Interpretation ist? Ob von einer Sprache in die andere zu übersetzen, oder innerhalb einer Sprache etwas zu erklären, ist dabei nebensächlich. Wichtig ist es vielmehr, sich auf die Sprache und den Sprachgebrauch des Gegenübers einzustimmen und zu versuchen, diesen bei der eigenen Interpretation zu berücksichtigen. Dann kann es auch mit dem Verstehen klappen.

Fazit: Kommunikation fängt an, wenn wir die Sprache unseres Gegenübers erlernen

Babylonische Sprachverwirrung gibt es nicht nur in Gestalt der zahllosen unterschiedlichen Sprachen, von denen es einige Hundert gibt. Es sind viel mehr Sprachen, die uns täglich umgeben, jede/r bringt ein je eigenes Verständnis und eigenen Gebrauch von Sprache mit, also sind wir allein in Deutschland schon bei etlichen Millionen. Wer da etwas zu sagen hat, verstanden werden oder verstehen will, der lässt sich immer wieder neu auf die Sprache seiner Mitmenschen ein, lernt und spricht ihre Sprache – und wundert sich vielleicht über die Welten, die sich auftun.

Das Vermächtnis des Turmbaus von Babylon kann überwunden werden indem wir die Sprache der anderen erlernen. Dieses persönliche Pfingstereignisses passiert jedes Mal, wenn wir jemanden verstehen.

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